Auf dem Kontinent röhrt, brummt, krächzt, quietscht, pfeift, klappert, pocht, rattert, zwitschert, jaulte, heulte, blökte oder huhute es unaufhörlich. Auf Spitzbergen hingegen verstummt alles wie eine glühende Kohle, die in tiefen Schnee geworfen wird. Wenn gerade kein Wind weht, machen dort nicht viele Dinge Geräusche. Manchmal knarrt ein Gletscher, manchmal kracht der Schnee irgendwo tief, aber ansonsten ist mitten am kurzen, moosartigen Oktober-Tag vollkommene Stille, ganz still. Die Landschaft spiegelt sich im Menschen wider, wie Falten direkt in der Seele, ohne flimmernde Begleitung, bis die Kälte anfängt, einem in die Knochen zu kriechen.
Auf der erzählerischen Ebene ist „Cichobiel” eine Geschichte über die Unzugänglichkeit, Feindseligkeit und die urzeitlichen Landschaften Spitzbergens, eingefangen bei – wie könnte es anders sein – fatalem Wetter – Nebel, Regen, Schnee oder Wind. Es ist auch eine Studie über Stille, Unbeweglichkeit und Fotografie als solche. Es gibt einen grundlegenden Unterschied zwischen dem, was erinnert wird, und dem Bild auf dem Monitor und dann dem fertigen Foto, das wieder zur physischen Welt gehört. Ich habe das Gefühl, dass ich das raue arktische Licht ausgeliehen habe, das ich seit vielen Monaten auf Papier zu bringen versuche, aber bisher ist es mir nicht gelungen, das Weiß zu erzielen, das ich dort gesehen habe. Diese schöne Unzulänglichkeit hat sich in Form einer Ausstellung materialisiert.
Maciej Żynda(1984) – Informatiker, Philosoph und Fotograf. 2010 schloss er sein Studium an der Fakultät für Mathematik, Physik und Informatik der Universität Danzig, Fachgebiet Algorithmen und Datenstrukturen, ab und 2009 das Studium der Philosophie, Fachgebiet Ästhetik, an der Fakultät für Sozialwissenschaften derselben Universität. Mitglied des Verbandes Polnischer Naturfotografen (ZPFP) und der International Association of Art Photographers (IAAP). Der Autor gewann zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei internationalen Fotowettbewerben.